Vortrag Rike Frank 27.01.2015, 19:00 Uhr

Über das Textile in der Kunst

Die verstärkte Präsenz von textilen Verfahren und Materialien, wie sie sich in den letzten Jahren im Kontext einer zeitgenössischen Ausstellungspraxis beobachten lässt, wirft eine Reihe von Fragen hinsichtlich der aktuellen wie auch historischen Rolle des Textilen auf. So scheint das Textile aus heutiger Sicht geradezu exemplarisch jene traditionellen Grenzziehungen zur Diskussion zu stellen, deren Ein- und Ausschlussmechanismen eine moderne Kunst(-geschichtsschreibung) wesentlich geprägt haben – seien es genderspezifische Zuschreibungen, eine Favorisierung optischer gegenüber taktiler Prinzipien, eine Hierarchie der Medien bzw. Spaltung zwischen Diskurs und Handwerk. Während auf der einen Seite eine Neubetrachtung diverse Wechselbeziehungen zwischen den Feldern deutlich macht – insbesondere in Hinblick auf eine Ausstellungsgeschichte, bilden die angesprochenen Gegensätze (nahezu) keine Reibungsfläche mehr für zeitgenössische Produktionen: Wie also hat sich der Blick auf das Textile verschoben? Was vermitteln bzw. verhandeln sie in der Kunst? Und welchen Status nehmen sie in den künstlerischen Arbeiten ein?

Der Vortrag diskutiert die Fragen anhand einer Auswahl aktueller und historischer Arbeiten.

Rike Frank ist Kuratorin, sie lebt in Berlin und Oslo, wo sie an der Akademie der Künste Ausstellungsgeschichte, -theorie und -praxis unterrichtet. Gemeinsam mit Grant Watson initiierte und kuratierte sie das Ausstellungs- und Rechercheprojekt “Textiles: Open Letter” 2012-2014.