Transurban-expander 17.05.2019, 10:00 Uhr

Transurban-expander

Das Projekt „Transurban-expander“ ist eine eintägige Stadtintervention in der Ignaz-Harrer-Straße 19–21. Ephemere, bewegliche Raumstrukturen sind das Ergebnis der Lehrveranstaltung „Körper-Raum-Hülle“ am Mozarteum Salzburg und reagieren auf die verabsäumte Möglichkeit der Errichtung eines öffentlichen Stadtsockels mit diversen Geschäftsnutzungen.

Eine eintägige „Stadtinterventionsbaustelle“ am 17. Mai 2019 von 10.00 bis 22.00 Uhr transformiert den verlorenen öffentlichen Stadtraum in einen bespielten Stadtsockel.
Jeder Studierende entwickelte hierfür einen individuellen Raum für eine eintägige gewerbliche Nutzung in Form einer Kunstraumoffensive, bespielt diese Nutzung und tritt mit der Wohnbevölkerung in Dialog. Durch diese sozialen Kunstraumprojekte zwischen dem Wohnbau und der Ignaz–Harrer–Straße entsteht kurzfristig das gewünschte öffentliche Leben, das durch den monostrukturierten geförderten Wohnbau und das Fehlen der sozialen Sockelzone verhindert wurde. Hier geht es einerseits darum, eine verpasste stadtplanerische Chance zur sozialen Belebung der Ignaz-Harrer-Straße aufzuzeigen, auf der anderen Seite veranschaulicht die Intervention einen möglichen städtebaulichen Lösungsansatz für die Generierung von Urbanität und Dichte. Die ephemere Aktion schafft Aufmerksamkeit für ein reales Defizit und öffnet die Stadt rebellisch durch aktionistische Interventionen. Diese künstlerische Gegenoffensive nutzt intelligent eine Nischenkultur und zeigt den Spielraum für schöpferische Denk- und Handlungsvarianten. Das anarchische künstlerische Prinzip ist somit ein zeitlich begrenzter „stadttherapeutischer Eingriff“, der kontextuell das chaotische System der Stadt widerspiegelt und elastisch auf eine spezielle Leerstelle des Stadtkörpers reagiert. Die geplante Intervention ist eine gesellschaftspolitische Positionierung, die sich durch einen sozialkünstlerischen Prozess manifestiert. Die Fragilität der zeitlichen Beschränkung des Stadteingriffs soll einen Denkanstoß geben, sich gegen die hierarchische, planende Stadtverwaltung aufzulehnen und durch Eigeninitiative spontan Lebensräume zurückzugewinnen. Die unterdrückten Lebensräume könnten somit aufgezeigt und intelligent genutzt werden. Die einzelnen, autonomen Projekte werden durch das gemeinsame, übergeordnete, theoretische Gesamtkonzept zusammengehalten und reagieren über den universitären, künstlerischen Gruppenprozess auf die anderen Objektbeiträge. Es handelt sich primär um die inhaltliche und weniger um die formale Schlüssigkeit des Gesamtprojekts, der „Transurban-expander“ reagiert als wandelbares „Raumding“ auch kontextuell-elastisch auf die Besucher. Die Beweglichkeit der einzelnen zeitlich begrenzten Projekte und die Leichtigkeit und Zerbrechlichkeit der Materialien öffnen kurzfristig den statischen Stadtkörper und transformieren den leblosen Verkehrsraum zu einem neuen Stadtlebensraum. Das verdeckte Leben der Stadt hinter den Mauern stülpt sich in den öffentlichen Zwischenraum, das Private wird öffentlich gezeigt und szenisch inszeniert und die räumliche Umstülpung erzeugt Irritation und Neugierde bei den 42.000 Menschen, die im Verkehrsstau stehen. Das Projekt erreicht somit einen Besucherrekord und könnte zum medialen Tagesthema der Stadt werden. Irritation entschleunigt den Verkehr und lenkt die Aufmerksamkeit auf das geplante, verhinderte soziale Leben der Stadtbevölkerung, die sich notgedrungen hinter dicken Wohnmauern verbarrikadiert. Die soziale und gesellschaftliche Interaktion mit der Lehener Bevölkerung ist eine zentrale Absicht des Projektkonzepts. Der gesamte Prozess wird filmisch dokumentiert und medial begleitet und zeigt das mögliche Potenzial eines sozialen, lebendigen, öffentlichen Stadtlebens als wesentliches Merkmal von Urbanität, Dichte sowie sozialer und funktionaler Diversität.