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Vortrag Bernhard Waldenfels 14.03.2018, 16:30 Uhr

Bernhard Waldenfels
Antwort auf das Fremde

Vortrag 14. März 2018, 16:30 Uhr
Department für Bildende Künste, Kunst- und Werkpädagogik
Alpenstraße 75, SE-Raum EG

Das Fremde ist einerseits etwas Uraltes, andererseits etwas höchst Aktuelles und es lässt sich nicht reduzieren auf das, was wir noch nicht kennen, aber unter bestimmten Bedingungen kennenlernen könnten. Und: Würde man das Fremde als ein Spezialthema behandeln, so hätte man es von vornherein verfehlt. Im Vortrag werden die Grundmotive des Fremden in sieben Schritten entfaltet und in die Auseinandersetzung mit dem Jahresthema am Department “Das Fremde/Unheimliche“ eingebracht:

  1. Sprachliche Annäherung: Das Fremde als das, was (1) außerhalb ist (extraneus, étranger, stranger, foreigner), was (2) anderen gehört (alienum, alien), was (3) von fremder Art ist (insolitum, étrange, strange). Primat der Wo-Frage, Topographie des Fremden

  2. Relative und radikale Fremdheit: Fremdes als Defizit, Aneignung als Aufhebung der Fremdheit / Fremdes als Entzug, als leibhaftige Abwesenheit (Sartre), als “Zugänglichkeit des original Unzugänglichen” (Husserl)

  3. Dimensionen des Fremden: “Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus” (Freud), “Jeder ist sich selbst der Fernste” (Nietzsche) (1) Fremdheit unser selbst – (2) Fremdheit des Anderen – (3) Fremdheit als Außerordentliche

  4. Fremderfahrung: Pathos des Erstaunens, des Erschreckens, Ambivalenz des Überraschenden Fremderfahrung als dissonanter Dreiklang aus (1) Pathos, Widerfahrnis – (2) Response, Antwort – (3) Diastase, Zeitverschiebung.

  5. Verflechtung von Eigenem und Fremdem: Wir sind uns mehr oder weniger nah und fern; Ineinander (Husserl), Chiasmus (Merleau-Ponty), (N. Elias); Zwischenleiblichkeit, Interkulturalität

  6. Der Gast als der Fremde auf der Schwelle (Simmel) – der Feind als der Fremde am anderen Ufer (Pascal)

  7. Fremdheit im Bild: Bildproben von Plinius. J. – Marcel Proust – Joseph Roth

Bernhard Waldenfels, Prof. em. Dr. Dr. h. c., studierte unter anderem Philosophie, Psychologie, klassische Philologie und Geschichte in Bonn, München und Paris. Von 1976 bis zu seiner Emeritierung 1999 war er Professor an der Universität Bochum. Zur Phänomenologie des Fremden und zur Herausforderung durch das Fremde hat er in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Studien vorgelegt und unzählige Vorträge gehalten und damit wichtige Anstöße für das Denken und Verstehen des Fremden weit über die philosophische Disziplin hinaus gegeben.

Foto: H. Blum