Vortrag Katrina Daschner 17.12.2014, 16:00 Uhr

Die in Hamburg geborene und in Wien lebende Künstlerin und Filmemacherin Katrina Daschner lotet in ihrem Werk die Beziehung zwischen filmischem Bild, Performance und Tanz aus und öffnet in Form theatralischer Inszenierungen einen Raum, in dem Körperlichkeit, Sexualität und Medialität verhandelt werden. Daschner befragt damit ebenso das Verhältnis von unmittelbarer Erfahrung und dem Stattfinden dieser Erfahrung innerhalb der medialen Voraussetzungen der Bühne, des Films sowie des Ausstellens. Sexualität und körperliches Erleben werfen dabei einen Blick auf die Praxis des Aufzeichnens sowie des Abbildens als Formen kultureller und sozialer Kommunikation.

Das Geheimnis der Burlesque liegt im gelungenen Timing: die Präzision in der dialektischen Performance von exzessivem Zeigen und gleichzeitigem Verbergen, Andeuten und Aufschieben sowie Affirmieren und Differenzieren sexualisierter Codes und Gesten. Erlaubten sich schon die klassischen Inszenierungen in den Varietés der 1930er Jahre durchaus humorvolle Einblicke in ihre Dramaturgie, lustvolle Momente der Desillusionierung, dann werden diese in der queeren Neo-Burlesque genutzt, um Genre wie Gender gleichermaßen zu dekonstruieren und etwa queere Femmeness genüsslich zu feiern. Neben dem von ihr gehosteten Club Burlesque Brutal im Brut/ Konzerthaus Wien, eine wichtige Protagonistin der queeren Neudefinition des Genres, entwirft Daschner mit ihren Arbeiten eine «performative Arena», auf der identitäre und sexuelle Machtverhältnisse zum Tanzen gebracht werden. (Catrin Seefranz) Ausstellungen und Performances der letzten Jahre beinhalten „Daschner“, Krobath Wien, Berlin (2012); „re.act.feminism #3“, Fundació Antoni Tàpies, Barcelona (2012); „Against the act – 3 essays about violence“, Centre d’art passerelle, Brest (2010). 2001 bis 2002 betrieb sie gemeinsam mit Johanna Kirsch und Stefanie Seibold den Performance Raum Salon Lady Chutney und spielt seit 2003 gemeinsam mit Sabine Marte, Gini Müller and Christina Nemec in der Performance Band SV Damenkraft. Katrina Daschners Arbeit bildet zur Zeit einen Beitrag zur Ausstellung „Selbstauslöser“ im Museum der Moderne, Salzburg.


Vortrag Rike Frank 27.01.2015, 20:00 Uhr

Über das Textile in der Kunst

Die verstärkte Präsenz von textilen Verfahren und Materialien, wie sie sich in den letzten Jahren im Kontext einer zeitgenössischen Ausstellungspraxis beobachten lässt, wirft eine Reihe von Fragen hinsichtlich der aktuellen wie auch historischen Rolle des Textilen auf. So scheint das Textile aus heutiger Sicht geradezu exemplarisch jene traditionellen Grenzziehungen zur Diskussion zu stellen, deren Ein- und Ausschlussmechanismen eine moderne Kunst(-geschichtsschreibung) wesentlich geprägt haben – seien es genderspezifische Zuschreibungen, eine Favorisierung optischer gegenüber taktiler Prinzipien, eine Hierarchie der Medien bzw. Spaltung zwischen Diskurs und Handwerk. Während auf der einen Seite eine Neubetrachtung diverse Wechselbeziehungen zwischen den Feldern deutlich macht – insbesondere in Hinblick auf eine Ausstellungsgeschichte, bilden die angesprochenen Gegensätze (nahezu) keine Reibungsfläche mehr für zeitgenössische Produktionen: Wie also hat sich der Blick auf das Textile verschoben? Was vermitteln bzw. verhandeln sie in der Kunst? Und welchen Status nehmen sie in den künstlerischen Arbeiten ein?

Der Vortrag diskutiert die Fragen anhand einer Auswahl aktueller und historischer Arbeiten.

Rike Frank ist Kuratorin, sie lebt in Berlin und Oslo, wo sie an der Akademie der Künste Ausstellungsgeschichte, -theorie und -praxis unterrichtet. Gemeinsam mit Grant Watson initiierte und kuratierte sie das Ausstellungs- und Rechercheprojekt “Textiles: Open Letter” 2012-2014.


Rundgang 2015 22.04. - 24.04.2015

Das Department lädt zum Rundgang in Ateliers und Werkstätten des KunstWerks in der Alpenstraße ein, um Einblicke in aktuelle Arbeitsprozesse und einen Überblick über die Arbeiten der Studierenden zu bieten. Über vier Etagen verteilt öffnet sich das Spektrum künstlerischen Schaffens des vergangenen Jahres und gibt den Blick frei auf das Innenleben einer sehr lebendigen Abteilung an der Universität Mozarteum Salzburg. Zum Diskurs sind Lehrende und Studierende anwesend.

Podiumdiskussion mit Ing. Walter Wagner, Präsident des Österreichischen Innovatoren-, Patentinhaber- und Erfinderverbandes (OPEV) und Mag. Oliver Wagner, Projektmanagement Medien-& Kreativwirtschaft, Innovations- und Technologietransfer Salzburg GmbH ( ITG). Einführung und Moderation: Prof. Alfred Gilow, Leiter des Studienfaches Werkerziehung an der Universität Mozarteum Salzburg.

Abb. Leonie Zangerl


Vortrag Anna Artaker 20.05.2015, 20:00 Uhr

Durch welche Prozesse Geschichte geschrieben wird, wie sich subjektive Erfahrung manifestiert und diese konstruiert wird, sowie die Sprachen, die diese erfahrbar machen, sind einige der zentralen Themen der in Wien lebenden Künstlerin Anna Artaker. Die Arbeiten der vergangenen Jahre stellen hierfür eine künstlerische Praxis dar, die es erlaubt, das ambivalente Verhältnis von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, von Inklusion und Exklusion als Teil von Geschichte zu begreifen. Artaker setzt sich dabei sowohl mit reproduktiven Verfahren, wie Fotografie, Text, als auch mit plastischen Aufzeichnungsformen und Gusstechniken, wie in ihrer Arbeit 48 KÖPFE AUS DEM MERKUROV MUSEUM, auseinander und öffnet dabei häufig Räume der Unschlüssigkeit, der Unbeantwortetheit sowie des Undefinierten. At the core of my preoccupation with ‘history’ is my interest in the relationship between reality and the depiction of reality: I am interested in ‘history’ insofar as it is a model for the representation of reality, an object on the basis of which the complex interplay between representation and reality can be explored (…). Perhaps one could also say that I am interested in what took place ‘offstage’ of what has now become history. My work makes an indirect reference to what has come to represent modernism by shifting the focus to what happened outside of it. I thus concentrate on the unsaid preconditions and exclusions, the blind spots upon which the history of modernism is based. (Anna Artaker, 2009) Anna Artaker studierte Philosophie und Politikwissenschaften in Wien und Paris, sowie Konzeptkunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im New Museum, New York; Austrian Cultural Forum, London; Mumok, Wien gezeigt. Zur Zeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Akademie der bildenden Künste Wien, ab Herbst Elise Richter-Fellow ebendort.

Anna Artaker, REKONSTRUKTION DER ROTHSCHILD’SCHEN GEMÄLDESAMMLUNG, Ausstellungsansicht AKKunstprojekte, Wien 2013, Foto: Hertha Hurnaus